DI Marina Linčir

Senior Teacher an der Internationalen Shiatsu Schule Österreich
marina.lincir@zg.t-com.hr

Kornblume
»Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Erstaunen.«
— Johann Wolfgang von Goethe

Was die Grundzüge meiner Person ausmacht, wurzelt in frühen Jahren, in meiner Vorstellung einer Natur der Freiheit wie ich sie in Sommern am Meer aus der Erfahrung des Lichts, der salzigen Wasser, der sonnigen Aromen und Farben in der adriatischen Welt meiner Kindheit erfuhr.

Als Architektin lernte ich, Räume zu schaffen, öffentliche und private, in denen sich Leben entfalten kann und sich entspannt. Ein so intimer wie intensiver Prozess: die ureigenen Bedürfnisse und Wünsche von Menschen erkennen, ihnen Raum zu geben, indem man sie verwandelt in sinnliche Erfahrung – Form, Materie, Energie.

Als der Kroatienkrieg 1991 begann, zerbrachen nach und nach die Fundamente aller bisherigen Maßstäbe und Relationen – Bedeutungen, Prioritäten, Werte. Ein Schwindel erfasste alles, was zuverlässig schien. Leben danach hieß, sich der Aufgabe stellen, neue Lebensgründe zu schaffen. Und ein Denken, das von der Katastrophe ausgeht, stellt die Frage nach dem Sinn.

In diese Zeit fällt meine erste Begegnung mit Shiatsu. Ich lernte und lernte zu lehren auf den Grundlagen einer Kommunikation ohne Worte, durch Berührung, Unterstützung, Präsenz ohne Urteilsanmaßung. Von neuem ging es darum, Raum zu schaffen für Menschen und Menschlichkeit.

Es sind die Techniken eines technologiefreien Transfers von Erfahrung, der Öffnung aller Sinne für eine gesteigerte Wahrnehmung, einer aus Befragung und Vermittlung unaufhörlich wachsenden Aufmerksamkeit für die Dynamik des Lebenswandels, die ich lebe und teile. Die Faszination für das System der Faszien als Manifestation einer vitalen, leibhaftigen Intelligenz, die alle Ebenen unseres Daseins durchwirkt, und die Arbeit an und in diesem Kontext prägen meinen Weg in Leben und Lehre.